Ein Interview mit Juri Winkler, dem Autor des Gedichtes aus Preview 18
„Juri, du bist der erste Schriftsteller, der einen Pavillon bei der Biennale von Venedig bespielt. Wie kam es dazu?“
„Wozu?“
„Zu der Sache mit dem Pavillon!“
„Ach so! Ja, eigentlich ist das heute gar kein Problem mehr, vor allem in der
Konzeptkunst. Ja, und dann kenn ich den Kulturminister des Landes, das mir diese
Möglichkeit gegeben hat, persönlich. Der hat gesagt, es gäbe da so ein paar
Spezis, die er mal gehörig vor den Kopf stoßen wolle, und ob ich mir das
vorstellen könnte. Da sagte ich: ‚Ja.‘“
„Und wie müssen wir uns das vorstellen? Malst du die Wände mit
deinen Gedichten an?“ „Das war der erste Gedanke. Doch dann hab ich mich
mit Manuel Schinter und Carola Fabricci getroffen [die beiden Kuratoren des
italienischen Pavillons bei der Kunstausstellung], und die meinten, es wäre gut,
wenn wir mehr Leute einbeziehen könnten. Und jetzt wird es eher so interaktiv, ein
paar Schauspieler lesen abwechselnd meine Gedichte von Handys ab, und die Zuschauer können eingreifen, in dem sie die
Handys anrufen. Denn dann kann der jeweilige Schauspieler das Gedicht nicht mehr
sehen, muss rangehen und ein anderer liest etwas anderes vor.“ „Das ist ja eher eine ziemlich direkte Art der
Medienkritik...“ „... und etwas plump, ja, aber so machen wir es jetzt
einfach.“ „Magst du noch etwas zu dem Gedicht sagen, das du
für Review geschrieben hast?“ „Na ja eigentlich nicht so gern, ich find es
ziemlich gelungen...der Auslöser war, dass ich wieder einmal diesen blöden Satz
gehört hatte, irgend ein Ding sei nicht gut oder schlecht an sich, sondern es kommt immer darauf
an, was die Menschen damit machen. Das wird ja wahlweise über Computerspiele,
Atomkraft oder eben Schusswaffen gesagt, und ich finde das bescheuert. Vor
allem, weil ich als Dichter ja die Aura von den Dingen sehen kann, und du kannst
mir glauben, um eine Zigarette herum, da weht eine ganz andere Atmosphäre als
um eine Lilie.“