Eine Frau (28,29 Jahre alt) beschäftigt sich hiermit:
„einer unserer gedanken war, dass es schoen waere, wenn es eine sprache gaebe, die lautmalerisch ausdruecken wuerde, was sie beschreibt, sozusagen signifiant und signifie so weit wie moeglich annaehern wuerde. beispiel: englishes word "kinky" passt nun wirklich nicht zu seiner bedeutung. etc. grammatik koennte spaeter kommen... kann man damit was anfangen?"
Damit kann man schon was anfangen.
Was heißt den ‚kinky‘? Oh: ‚abartig‘, ‚abnorm‘. Stimmt, das passt nicht so gut. Was auch nicht so gut passt, ist das deutsche Wort ‚seufzen‘, von dem man leicht denken könnte, es würde damit das Missfallen ausdrückende Wegschnalzen der Zunge vom Gaumen gemeint. Ist aber nicht so, viel eher ist es das stimmhafte Ausatmen, mit dem zwar auch Mißfallen ausgedrückt wird, dies aber über den Umweg der zur Schau gestellten Resignation. Im Übrigen kann Seufzen sowohl bremsend für den Lebensfluss sein, als auch befördernd, letzteres nämlich dann, wenn damit eine Hingabe an die sinnliche Umwelt ihren Ausdruck findet. Wir schlagen vor, seufzen müsste ‚ahmen‘ oder „ohmen‘ heißen und stellen fest, dass jedes der beiden Worte einen religionsverwandten Stamm hat.
Wie soll es aber funktionieren, dass man das gesprochene Wort und das, worauf es sich bezieht, einander durch die Erfindung einer Sprache ‚annähert‘, wenn man zum Beispiel das benennt, was einmal ‚Haus‘ hieß? Schwierig, denn das Haus wird nicht näher am Wort sein, nur weil das Wort es schafft, eine Eigenschaft davon nachzubilden. Und was dazukommt. Jemand, der sagt, Haus passe doch lautmalerisch schon ganz gut, beruht diese gefühlsmäßige Einschätzung nur auf der tausendfaach gefestigten Gewohnheit und den vielen Assoziationen, die beim Ertönen oder Sprechen des Wortes schon ertönt sind? Es wäre schön, wenn ein Leser uns etwas dazu schreiben oder liefern könnte, was Walter Benjamin genau über den Namen gesagt hat, denn dieser ist für ihn etwas magisches. Vermutlich deshalb, weil er nicht relativ näher oder weiter vom Benannten sein kann, sondern einfach der Name ist. Man würde nicht sagen: „Der Name ‚Carl‘ bedeutet diese Person“. Und so hat die Sache mit dem Namen für den 1892 Geborenen und 1940 Gestorbenen auch etwas Spirituelles/Magisches, man denke an das Intro der Bibel. Kann uns jemand seine Seminararbeit schicken?
Bis dahin schlagen wir vor: Bedeutung soweit als möglich zu verwischen, den Code aufzuweichen, eine neue Sprache erfinden ohne Signifikate, weniger sprechen.