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Review 13: Contemplatio I

Nans Heumann will sich entscheiden

Die Zuschrift eines Lesers, dem wir mal nicht im Pseudonym herumfuhrwerken wollen, hat zur Gründung einer neuen Unterabteilung bei Review geführt, dazu gleich mehr. Neben Worten des Lobes und Fragen zu Review 11 schreibt der ca. dreißigjährige Mann:

„Nach einer Woche des Muessiggangs und der inneren Selbszerfleischung wollte ich euer philosophisches Team darum bitten in einem der kommenden Reviews so etwas aehnliches wie einen gedanklichen Baukasten zur Entscheidungsfindung anzubieten. Ich stelle mir das in etwa so vor: Der Kasten enthaelt 7 - 10 essentielle Fragen, die man entweder mit einem Wuerfel oder auch selbst guten Gewissens beantworten kann und fuehrt einen dann zu einer einfachen und deutlichen Entscheidung bei Fragen wie: Erhebe ich mich von meinem Stuhl? Wenn ja, was mache ich dann? Wenn ich lange genug sitzen bleibe, denken dann die Anderen ich bin ein Teil des Stuhls (ok - keine Entscheidungsfrage, also bitte streichen)? Fahre ich in Urlaub? Soll ich mein derzeitiges Leben grundlegend veraendern?"

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Wir starten die Beantwortung der Frage mit einem Aphorismus: Die Entscheidung ist eine Illusion, die entsteht, nachdem wir mit einer Handlung ganz gut leben können. Was heißt das? Das heißt, liebe Leser, dass wir einen Schritt hinter die Frage zurückgehen, im Service inbegriffen.

Einen Schritt hinter „Wie kann ich mich entscheiden“ zurück heißt es: „Warum wird die Entscheidung zum Thema?“. Wir sind immer geneigt, uns da eine Art Topografie zu machen, in der gibt es das Land der Vergangenheit, und auch das der Zukunft: In diese führen dann viele Wege und nicht alle münden gleich. Und dann gibt es die Gegenwart in einer verkürzten Vorstellung, das ist der Stuhl auf dem Nans Heumann sitzt.
Andererseits ist „Was soll ich tun“ eine der drei großen philosophischen Grundfragen. Und so haben wir zwei Baukästen gebaut. Der zweite ist wahrscheinlich dem näher, was sich Nans Heumann gewünscht hat. Ein eher strategischer für die fragwürdige Zukunft, wo Dinge sich jedoch schnell in Fallen verwandeln. Der erste hat mit Sensibilitätssteigerung im Moment zu tun.

Liebe Leser! Alles noch wie im Brettspiel kausal miteinander zu verknüpfen, oder anzugeben, welche Fragen Vorrang haben, erschiene uns im Moment nicht richtig. Das ist die Rohversion. Anweisungen zur Verknüpfung, Streichung, Ergänzung bitte an uns, hier entlang zur Mailmanege.

Baukasten der Kontemplation

  1. Fällt mir das Atmen leicht?
  2. Habe ich das Gefühl (oder sehr kurze, fast nicht wahrmehmbare Gedanken, die damit zusammenhängen), einen Eindruck erwecken zu müssen?
  3. Bin ich sexuell erregt?
  4. Sitze ich bequem?
  5. Nehme ich Dinge im Raum wahr, derentwegen es eine Reibung gibt?
  6. Ist da ein leiser Schmerz?
  7. Eine kleine Sucht?
  8. Gibt es Gedanken, die pochen, die ich mich aber nur fast traue, auszusprechen? (Hier auf jeden Fall die Schwelle überwinden!)
  9. Ist hier alles gesagt?

Teleologischer Baukasten

  1. Will ich jemandem helfen?
  2. Welchen Eindruck soll ich jetzt erwecken?
  3. Soll ich weg?

(„Soll ich in den Urlaub fahren?“, „Soll ich aufstehen?“ Diese Frage haben sie uns, Herr Heumann, ja selbst mit auf den Weg gegeben, und wir können hier Lehrsätze der Psychotherapie nicht auf den Kopf stellen: Stellen sie sich also unbedingt alle kontemplativen Fragen und viele mehr. Wenn nichts mehr zu holen ist, ja, dann weg. Unter Umständen Urlaub, aber vielleicht mit einer eingebauten Schwellenübertretung.

  1. Soll ich mich eigentlich gerade ums Geld verdienen kümmern?
  2. Gibt es eine Körperstelle, in die ich ein bisschen horchen könnte?

Zitate aus der Buchhandlung, die sich aber zieren:

„Action comes out of acceptance, not of resistance“
„We don't need no thoughts control“
„Der Moment enthält alle Informationen, die du brauchst“